Trag' doch mal ein echtes Kreuz!

In Schneeberg gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren den sogenannten „Jugendkreuzweg“ - ein ökumenisches Projekt der örtlichen evangelischen Gemeinden. Die jungen Christen treffen sich, um den Leidensweg Jesu nach zu laufen und tragen dabei jeweils zu zweit ein echtes Holzkreuz durch den Ort.

Dieses Jahr am 15. April waren zum ersten Mal auch Jugendliche aus unserem Zwickauer Bezirk dabei. Das Motto des Kreuzweges war „getaped“. Moment... Sporttape? Also das medizinische? Ja, schon irgendwie. In sechs Stationen wurden verschiedene Aspekte von Jesu Leidensweg beleuchtet und immer wieder wurde auch die Verbindung zum „Tape“ gezogen.

Gefeiert – Menschen sitzen zusammen und essen. So wie beim letzten Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern begann unsere Reise mit einem Agapemahl. Von dort aus begaben wir uns mit unserem hölzernen Kreuz auf den Weg durch die Stadt.

Begrenzt – Jesus gibt sich freiwillig in die Hände von Pontius Pilatus und lässt sich fesseln. Wir selbst haben in der Pandemie erlebt, was es bedeutet, wenn man in seiner Freiheit eingeschränkt wird. Wenn man begrenzt wird.

Belastet – Was tragen wir mit uns herum und was bedrückt uns? Vergangene Erlebnisse, toxische Beziehungen oder Selbstzweifel können eine tägliche Last sein. So wie auf Jesus das Kreuz und sein kommendes Schicksal lasteten. Bei dieser Station haben wir symbolisch für das, was uns bedrückt, ein Stück Tape an das Kreuz geheftet. Jesus hilft uns tragen.

Bloßgestellt – Jesus wird bei seiner Verhaftung entblößt,
seine Kleider zerteilt. Ultimativ erniedrigt. Von einem Augenblick
auf den anderen, nackt – vor aller Augen, bloßgestellt, allem hilflos ausgeliefert, schutzlos und allein. Bloßgestellt wurden viele von uns in ihrem Leben auch schon. Das Tape soll unsere Wunden heilen. Wir haben ein Stück  Tape mit den Worten  „verbunden – gestützt – geheilt“ erhalten.

Gehalten – In Situationen, in denen wir die Kontrolle über unser Leben verlieren, fühlen wir uns wie im freien Fall. In diesen Momenten brauchen wir jemanden, der für uns da ist. Der uns auffängt. In dieser Station ging es auch um das Sterben Jesu. Wir haben den nächsten Wegabschnitt schweigend zurück gelegt.

Umarmt – Nachdem Jesus vom Kreuz abgenommen wurde, wird er seiner Mutter Maria in den Arm gelegt. Der Schmerz zerreißt sie fast. Trauernd und hilflos hält sie ihn fest. Nah – und doch fern. Wer hält uns in unseren Krisen, wer umarmt uns? Diese Frage wurde uns in der fünften Station gestellt.

Erleuchtet – Zur letzten Station kamen alle auf dem Friedhof Schneebergs an und versammelten sich um das großen steinerne Kreuz. Es wurde in vielen Farben angestrahlt und leuchtete in die Nacht. Viele Jahrhunderte lang haben Propheten vorhergesagt, dass der Sohn Gottes auf die Welt kommen wird. Er wurde zum Licht der Welt, zum Retter für die Menschen. Seine Auferstehung macht unser Leben hell. Diese abschließende Station wurde von der NAK gestaltet. Die Jugendlichen haben Kerzen angezündet und sich mit langen Tape-Streifen verbunden. In diesem Kreis verbunden sangen wir das Lied „Morgenstern“ von Albert Frey.

Mit diesem Lied endete der gemeinsame Kreuzweg.