Rund 40 bis 50 Sängerinnen und Sänger hatten sich ein halbes Jahr lang auf diese Aufführungen vorbereitet. Mit großer Hingabe und musikalischer Präzision präsentierte der Chor ein anspruchsvolles Programm, das eindrucksvoll die Klangvielfalt und Tiefe der barocken Musiktradition widerspiegelte.
Johann Sebastian Bach wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren und zählt zu den größten Komponisten der Musikgeschichte. Als Meister des Kontrapunkts und der Polyphonie prägte er die Barockmusik maßgeblich und hinterließ ein gewaltiges Werk, das Generationen von Musikern inspirierte. Seine Kompositionen, darunter Kantaten, Orgelwerke, Passionen und die berühmten Brandenburgischen Konzerte, zeichnen sich durch ihre formale Strenge, harmonische Tiefe und expressive Kraft aus. Bach wirkte an verschiedenen Wirkungsstätten, unter anderem in Weimar, Köthen und schließlich in Leipzig, wo er als Thomaskantor tätig war. Seine Musik verbindet höchste musikalische Kunstfertigkeit mit tiefem Glauben, was ihn zu einer zentralen Figur sowohl der geistlichen, als auch der weltlichen Musik machte.
Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Präludium und Fuge D-Dur BWV 532
Dieses imposante Orgelwerk zeigte Bachs unvergleichliche Virtuosität und kompositorische Meisterschaft. Das Präludium, brillant und kraftvoll, wurde von Nils Treiber auf der Orgel mit beeindruckender Präzision und Ausdruckskraft dargeboten. Es bestach durch kraftvolle Akkorde und Läufe, die eine majestätische und festliche Stimmung erzeugten. Es begann mit einer kraftvollen Einleitung, gefolgt von schnellen, brillanten Passagen, die eine beeindruckende Virtuosität verlangten. Dabei wechselten sich freie, improvisatorische Abschnitte mit streng strukturierten Sequenzen ab, was dem Werk eine besondere Lebendigkeit verlieh. Die anschließende Fuge war ein Meisterwerk der polyphonen Stimmführung. Das Hauptthema wurde kunstvoll durch alle Stimmen geführt, wobei Bach durch geschickte Kontrapunktik eine wachsende Dichte und Intensität erzeugte. Die Fuge entwickelte sich mit großer Dynamik und steigerte sich bis zu einem kraftvollen Höhepunkt, der in einer triumphalen Schlusskadenz mündete. Besonders in der Akustik der Kirchenräume entfaltete das Werk seine volle Pracht und ließ die Zuhörenden in die Klangwelt des barocken Orgelstils eintauchen.
Johann Bernhard Bach (1676-1749) – Ouvertüre aus der Suite g-Moll für Violine solo, Streicher und Basso continuo
Johann Bernhard Bach, ein Verwandter Johann Sebastians, offenbarte mit dieser Suite seinen eigenen barocken Stil. Die Ouvertüre vereinte kontrastreiche Abschnitte und bot eine eindrucksvolle Mischung aus Eleganz und Lebendigkeit. Der feine Wechsel zwischen festlichen und melancholischen Passagen ließ das Publikum eintauchen in die Klangwelt des 17. Jahrhunderts.
Carl Friedrich Abel (1723-1787)
Abels Komposition fügte sich harmonisch in das Konzertprogramm ein. Bekannt für seine melodische Ausdruckskraft und den virtuosen Umgang mit der Gambe, schuf Abel Musik von großer Klarheit und Wärme. Besonders hervorzuheben war die eindrucksvolle Darbietung von Lea Alfaenger an der Gambe, die mit ihrer virtuosen Technik und dem feinsinnigen Spiel die Musik Abels lebendig werden ließ.
Johann Ludwig Krebs (1713-1780) – Toccata a-Moll
Krebs, ein Schüler Bachs, übernahm viele stilistische Elemente seines Lehrers. Die Toccata in a-Moll verband dramatische mit lyrischen Passagen und stellte hohe technische Anforderungen an die Interpretierenden. Die Virtuosität des Stücks faszinierte das Publikum und zeugte von der engen Verbindung zwischen Lehrer und Schüler. Jens Treiber brillierte als Orgelsolist und zeigte sein beeindruckendes Können auf der Orgel.
Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Jesu meine Freude – Motette für fünfstimmigen Chor, Streicher und Basso continuo BWV 227
Als zentrales Chorwerk des Abends bildete diese Motette einen geistlichen Höhepunkt. Die kunstvolle polyphone Struktur und die tiefgründige Textvertonung ließen die Botschaft der Zuversicht und des Glaubens eindrucksvoll erklingen. Der Chor interpretierte das Werk mit großer Hingabe, wodurch die emotionale Tiefe der Musik besonders zur Geltung kam. Besonders die Texte der Motette „Jesu, meine Freude“ fanden große Beachtung:
„Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier!
Es ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind.
Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst du nicht!“
Diese Zeilen unterstrichen die geistliche Tiefe des Programms und hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Zuhörenden.
Durch den Abend führte Stefan Kothner, der gekonnt und charmant mit Erklärungen und Anekdoten die musikalischen Werke und deren historische Hintergründe näherbrachte und die Zuhörenden mit auf eine faszinierende Reise durch die barocke Musiktradition nahm. Stefan Kothner begleitete zudem einige Stücke des Abends auf der Truhenorgel, was den historischen Charakter und die Klangvielfalt der barocken Musik noch stärker hervorhob und dem Konzert eine besondere Atmosphäre verlieh.
Die Konzerte boten eine einzigartige Gelegenheit, die beeindruckende Klangvielfalt der barocken Musiktradition live zu erleben. Mit großer Hingabe und musikalischer Präzision interpretierte der Zentralchor diese Werke zu Ehren Bachs. Die Veranstaltungen hinterließen ein unvergessliches musikalisches Erlebnis und luden dazu ein, die Meisterwerke Bachs und seiner Zeitgenossen in einem feierlichen Rahmen zu genießen.
Das nächste Projekt des Zentralchores wird im Oktober 2025 der „Lobgesang“ sein – eine großartige Gelegenheit, sich erneut in die Welt der Chormusik zu vertiefen und mitwirken zu können. Wer Freude am Chorgesang hat und die Faszination der klassischen Musik hautnah erleben möchte, ist herzlich eingeladen, Teil des Zentralchores der Neuapostolischen Kirche zu werden. Der Chor sucht engagierte Sängerinnen und Sänger, die mit Begeisterung und Hingabe anspruchsvolle Chormusik erarbeiten möchten. Neben der musikalischen Exzellenz stehen auch die Gemeinschaft und die Freude am gemeinsamen Singen im Mittelpunkt. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen – ganz gleich, ob mit langjähriger Chorerfahrung oder als motivierte Neueinsteiger. Interessierte können sich für weitere Informationen und Probenmöglichkeiten gerne melden und den Chor bei zukünftigen Projekten mit ihrer Stimme bereichern.
Hier geht es zum Bericht vom ersten Konzert in Gera.
Neuapostolische Kirche